Yoga gehört in die Schule!

Was ist überhaupt Yoga?

Yoga ist derzeit voll im Trend. Nur wenigen ist dabei bewusst, dass es Yoga schon seit mehreren Tausend Jahren gibt. Vor einigen Jahren wurden die Yogis noch schnell mal als „alternative Esoteriker“ abgetan. Inzwischen sind die positiven Wirkungen wissenschaftlich bewiesen. Dabei liegt im Westen der Fokus oft noch immer sehr stark auf den Asanas, den Körperübungen. Doch Yoga ist mehr als das. Yoga bedeutet die Vereinigung von Körper, Geist und Seele. Yoga ist eine Art „Weg“ um ein gesundes und erfülltes Leben zu genießen.

Zur Frage was denn der Unterschied zwischen Yoga und Gymnastik wäre, habe ich mal einen Vergleich gelesen, der mir sehr gut gefallen hat:

Es ist so, als würde man fragen: “Was ist der Unterschied zwischen 50 km Gehen und einer Pilgerwanderung?“

Es ist das Reflektieren über unser Leben und die Aufgabe auf dieser Welt.

Kinderyoga

Auch die Wirkungen von Kinderyoga sind inzwischen schon sehr gut wissenschaftlich belegt. Dabei unterscheidet sich Kinderyoga natürlich vom Yoga für Erwachsene. Die Kinder werden in ihrem Bewegungsdrang abgeholt, z.B. mit Tanz und Yoga-Spielen. Die Asanas werden in Geschichten verpackt und sehr spielerisch vermittelt. Atemübungen und Achtsamkeit begleiten die Kinderyogastunde. Und auch schon die kleinsten Yogis entspannen am Ende der Stunde für wenige Minuten bei einer Fantasiereise oder eine Massageschichte.

Das Wichtigste bei einer Kinderyoga-Stunde ist, dass die Kinder mit Spaß und Freude bei der Sache sind. Dann profitieren die Kinder quasi ganz nebenbei von den positiven Wirkungen.

Yoga hilft, Ruhe und Gelassenheit zu finden und verbessert die Konzentrationsfähigkeit. Die Übungen stärken das Körperbewusstsein und das Selbstbewusstsein. Die Achtsamkeit und das Bewusstsein für sich selbst, für andere und für die Welt um sich herum wird gefördert.

Warum Yoga in der Schule?

Bereits in der Volksschule leiden viele Kinder unter dem ständig wachsenden Druck. Nicht selten klagen die Kinder über Kopfweh oder andere Stresssymptome. Haltungsschwächen, motorische Entwicklungsstörungen und Störungen im Sozialverhalten nehmen seit Jahren zu. Dazu kommt die Reizüberflutung durch die Medien. Dies bringt die Kinder aus ihrem Gleichgewicht. Yoga kann hier einen guten Ausgleich bieten.

Bereits in den alten Schriften des Ayurveda wird auf die vier grundlegenden Dinge für die gesunde Entwicklung im Kindesalter hingewiesen: die richtige Ernährung, die richtige Bewegung, die richtige Atmung sowie die Zeit und Fähigkeit zur Entspannung. Altersgerecht angeleitet ist Yoga ein hervorragendes Werkzeug, um Bewegung, Atmung und Entspannung zu üben.

Dass Lernen mit Bewegung besser funktioniert, weiß man inzwischen schon lang, aber an der Umsetzung scheitert es oft. „Bewegter“ Unterricht schafft ein Lernumfeld, das die Konzentration fördert und zur Kreativität anregt. Lernen heißt, die Welt zu spüren!

Mit Kinderyoga lassen sich Bewegung, Entspannung und Lernen wunderbar verbinden. Aktuelle Lerninhalte können während der Yogaübung aufgegriffen werden.

Hier einige Beispiele:

Während wir im Baum stehen, frage ich die Kinder je nach Alter, welche Bäume sie kennen oder warum die Bäume wichtig für uns sind.

In der Berghaltung kann man nach den höchsten Bergen in der Region, im Land, auf der Welt fragen.

Während wir den Vulkan machen, sprechen wir auch darüber, was ist ein Vulkan, wo gibt es welche, wie heißt das was rauskommt usw.

Oder wir buchstabieren die jeweilige Übung. Wir sprechen über die Körperteile, die man in der Übung spürt.

Es gibt unzählige Möglichkeiten, Lerninhalte mit Yogaübungen zu verknüpfen.

Pilotprojekt „Guten-Morgen-Yoga“

Mit einer 3. Klasse Volksschule habe ich eine Art Pilotprojekt gestartet. Zur Einführung von Yoga habe ich mit der Klasse eine komplette Kinderyogastunde über 45 Minuten gemacht. Dort haben die Kinder erfahren, woher Yoga kommt, was Yoga heißt und eine Reise nach Indien gemacht. Dann folgten 2x pro Woche eine Kurzeinheit Yoga von ca. 15 Minuten. Diese Morgeneinheit starten wir meist mit einer Atemübung und einem verkürzten Sonnengruß.

Je nach gewünschter Wirkung gibt es dann sehr viele Möglichkeiten für kurze Yoga- und Achtsamkeitssequenzen. Ich habe z.B. mit den Kindern erstmal eine Collage erstellt, warum uns Yoga gut tut. Wir haben uns Lieder über die Bedeutung von Namaste oder OM angehört und darüber gesprochen. In einer Einheit habe ich die Kinder aufgefordert, einen Dankesgruß an jemanden zu schicken. Wenn ein Test oder eine Ansage bevorsteht, können die Kinder die Wechselatmung und Überkreuzübungen machen, um die beiden Gehirnhälften optimal zu aktivieren. Manchmal lasse ich die Kinder die Yogaübung mit Buchstabenrätsel finden. Gleichgewichtsübungen, wie der Baum, helfen den Kindern generell wieder, in ihre Balance zu finden.

Die Kinder lieben es, wenn ich Geschichten aus der indischen Mythologie erzähle, z.B. über den Elefantengott Ganesha, der alle Hindernisse aus dem Weg räumt. Und das absolute Highlight sind Massageschichten. Dazu setzen wir uns im Kreis so hin, dass jeder einen Rücken vor sich hat und passend zu einer Geschichte wird der Vordermann massiert. Dabei ist es immer mucksmäuschenstill! Dies kann z.B. hervorragend nach der Pause eingesetzt werden.

Es gibt somit für jede Situation passende Übungen, die problemlos und ohne Hilfsmittel im Klassenzimmer durchgeführt werden können.

Mein Herzenswunsch

Ich möchte möglichst viele Kinder mit der positiven Wirkung von Yoga in Berührung bringen. Vor allem möchte ich den Kindern in der Schule eine Ressource anbieten, wie sie mit den Belastungen im Schulalltag besser umgehen können. Deswegen ist es mir auch ein Anliegen, die SchulleiterInnen und  LehrerInnen von Yoga in der Schule zu überzeugen und auch ihnen die Möglichkeiten von kurzen Yogaeinheiten in Workshops zu vermitteln.

Prof. Dr. Marcus Stück, der die Professur für den Studiengang „Pädagogik der Kindheit“ innehat und als Pionier der Kinderyoga-Forschung gilt, fordert „Schulen müssen Erlebnisorte werden“ – Yoga kann hier ein Baustein dazu sein.

Keine Kommentare

Aktuell ist das Formular für die Kommentare geschlossen