Was Eltern stark macht

Das Leben mit Kindern ist schön und spannend. Es ist aber auch eine Herausforderung. Der Alltag ist manchmal stressig, voller Termine, Verpflichtungen und Erwartungen. Die Betreuung und Erziehung der Kinder kostet oft viel Kraft und bringt Sorgen und Unsicherheiten mit sich, die alle Eltern teilen. Eltern sein ist ein Vollzeitjob und da ist es nur verständlich, wenn sich Mütter und Väter erschöpft und kraftlos fühlen.

Was es braucht, sind Strategien, wie Eltern gelassen die Turbulenzen des Erziehungsalltags meistern können, wie sie Kraft und Zeit für gemeinsame Aktivitäten finden und das Zusammensein genießen.

 

Unter jedem Dach ein  ACH

Die wichtigste Botschaft gleich vorweg: Es gibt keine Patentlösung, die von jeder Familie einfach hergenommen werden kann, und für einen ruhigen und gelassenen Familienalltag sorgt. Jede Familie muss ihren eigenen Weg und ihre eigenen Strategien finden, wie sie in Konfliktsituationen die Ruhe bewahren und Belastungen gelassener bewältigen kann.

Es gibt allerdings Kleinigkeiten im Familienalltag, die sich wie Sandkörner in einem Getriebe auswirken und langsam aber sicher dafür sorgen, dass irgendwann gar nichts mehr geht. Welche Strategien gibt es dann, um diesen Anforderungen des Alltags gestärkt zu begegnen?

 

Entspannt ist besser als perfekt!

Bleiben Sie gelassen. Genießen Sie einander und die Kinder. Eine bessere Erziehung gibt es nicht!

Jesper Juul

Träumst du von einer pico-bello aufgeräumten und sauberen Wohnung? Von Kindern, die sich stets zu benehmen wissen? Versuchst du selbst die perfekte Mutter/der perfekte Vater zu sein, die/der tagein tagaus ein warmes Essen auf den Tisch zaubert, die Wäscheberge voll im Griff hat und meterhohe Torten, zauberhaft verzierte Muffins und künsterlische Basteleien herstellt?

Vergiss es! Die Realität sieht doch ganz anders aus, wenn wir ehrlich sind! Fakt ist vielmehr: Das Leben mit Kindern kann nie wirklich geplant werden. In jeder Familie herrscht manchmal Chaos und der Familienalltag ist streckenweise laut, anstrengend und zermürbend.

Deshalb nimm Abschied von diesen überhöhten Ansprüchen! Perfektionismus ist wie Unkraut. Es wuchert und wuchert und nimmt den kleinen Freuden das Licht zum Wachsen. Außerdem sorgt dieser ständige Hang zur Perfektion im Familienleben nur für Stressalarm, der sich auch auf die Kinder und deinen Partner überträgt.

Lehn dich lieber zurück und überlege, was dir persönlich wirklich wichtig ist – in der Kindererziehung, hinsichtlich deiner Arbeit und in der Freizeit mit deinem Kind. Versuch dich vom äußeren Druck zu befreien und fang an, deiner eigenen Intuition zu folgen. Du allein legst fest, welche Anforderungen du erfüllst, um eine gute Mutter/ein guter Vater zu sein.

Be unperfect and you will be happy!

 

Im Familienleben ist Teamwork gefragt!

Oftmals sind es besonders die Mütter, die Dreh- und Angelpunkt in der Familie sind. Sie bekommen sämtliche Informationen, sie planen und organisieren, hetzen von einem To-Do auf der Liste zum nächsten und bevor sie sich versehen, ist der Tag auch schon zu Ende und sie liegen völlig geschafft im Bett. Aber auch dann ist meist längst noch nicht Feierabend und Zeit für Schlaf, sondern oft beginnt sich das Gedankenkarussell zu drehen und es wird gegrübelt. Was ist heute gut gelaufen? Worüber musste ich mich ärgern? Warum war es wieder einmal alleine meine Aufgabe, die Kinder zum Fußball hinzufahren und auch wieder abzuholen? Das Abholen hätte doch wirklich heute auch der Papa machen können! Und warum können meine Kinder nicht einmal ihre Spielsachen selbst wegräumen? Andere Kinder können das doch auch!

Wenn du solche Zwiegespräche kennst, dann hör auf damit und sprich deine Bedürfnisse, Wünsche und Gedanken ganz offen bei deinen Kindern und deinem Partner an. Dein Umfeld kann nicht in dich hineinschauen, es ist auf deine Rückmeldungen angewiesen!

Zu empfehlen ist Teamwork im Familienleben.  Am besten hat jedes Familienmitglied seine festen Pflichten im Haushalt. So leistet jeder einen Beitrag und keiner kommt zu kurz und fühlt sich ausgenutzt. Auch Kinder können spielerisch mit einbezogen werden und entsprechend ihres Alters mithelfen (z.B. alleine anziehen lassen, Tisch decken, Müll wegschaffen, Spülmaschine ausräumen).

Durch bewusstes Delegieren von Hausarbeiten können Eltern übrigens auch die Selbständigkeit und Interessen bei ihren Kindern fördern, und sie dazu motivieren, neue Dinge auszuprobieren. Also traut euren Kindern etwas zu, auch wenn die Ergebnisse manchmal vielleicht noch nicht zufriedenstellend sind! Auch externe Hilfen können sehr wertvoll sein und eher unwichtige Aufgaben wie z.B. Putzen, Bügeln, Einkaufen, Gartenarbeit, Buchhaltung erledigen. Sie sorgen damit dafür, dass mehr Zeit verfügbar ist für die wirklich wichtigen Dinge im Leben.  Hilfreich ist es auch, wenn es ganz klare Regeln gibt. Es mag spießig wirken, aber klare Regeln erleichtern den Familienalltag. Wenn bei euch die Regeln gelten, nach 21 Uhr kein Fernsehen mehr und freitags wird das Zimmer aufgeräumt, dann werdet ihr euch viele Diskussionen ersparen können.

 

Gönn dir Auszeiten!

Eltern sind einem zunehmenden Druck ausgesetzt. Sie wollen es oft besser machen als die eigenen Eltern und ihren ganz individuellen Weg in der Erziehung ihrer Kinder gehen. Die Möglichkeiten, Wissen über Bildung zu erlangen, Kinder zu fördern und das Beste aus ihnen heraus zu holen sind heute so vielfältig wie nie zuvor.

Wer dabei allerdings oft auf der Strecke bleibt, sind die Mütter und Väter selbst. Ihnen fehlt es oft schlichtweg an der Zeit für sich selbst. Auch für die Partnerschaft bleibt oft wenig Zeit.

„Auszeiten“ sind jedoch wichtig, um seine Akkus wieder aufzuladen. Nur wer selbst genug Energie hat, kann diese auch weitergeben und für Andere da sein. Kraft schöpfen lässt sich entweder durch Ruhe oder durch körperlichen Bewegungsausgleich. Schlafen ist auch sehr hilfreich, um wieder zur Ruhe zu kommen.

Gerade an Tagen, an denen weder die Motivation noch die Kraft da ist, kann es getreu dem Motto „Weniger ist Mehr“ auch schon hilfreich sein,

  • einfach mal eine Woche die Kinder nachmittags nicht von Termin zu Termin zu fahren, sondern mit ihnen einmal gar nichts zu tun. Nachmittage zu Hause ohne Plan und Zeitvorgaben können herrlich sein!
  • die Wäsche einfach stehen zu lassen und lieber in die Badewanne zu gehen.
  • Tief durchzuatmen: Hektik und Stress ist mit Kindern nicht förderlich. Ganz im Gegenteil bewirken sie sogar, dass die Situation oft noch schlimmer wird. Deswegen solltest du, wenn du in stressige Situationen kommst, tief durchatmen. Sonst passieren dir vielleicht Handlungen im Affekt, die du später bereust.

 

 

Organisation ist alles und nix!

Planung ist im Familienalltag von Vorteil, aber nur da, wo sie angebracht ist. Denn wie jeder weiß, ist ein Leben mit Kindern nie minutiös planbar. An manchen Tagen kommt einfach alles anders. Dann heißt es, nicht zu verzweifeln, sondern kreativ zu werden, um neue Lösungen zu finden.

Welche Planungen machen dennoch Sinn?

  • Familienplaner aufhängen: Um den Überblick nicht zu verlieren, wer wann wo was vorhat, kann ein Familienplaner sehr hilfreich sein.
  • Morgenmuffeluhr einsetzen: Wenn dein Kind trödelt, hilft vielleicht solch eine Uhr, die dein Kind daran erinnert, wann es aufstehen, wann es ins Bad gehen und wann es frühstücken soll.
  • Jedes Familienmitglied bekommt seine eigene Farbe: Damit nichts verwechselt werden kann und jeder weiß, wem was gehört und wofür wer zuständig ist, kann es sehr hilfreich sein, wenn jedes Familienmitglied seine Farbe bekommt. Von der Zahnbürste angefangen bis hin zum Handtuch.
  • Alles gut vorbereiten! Damit am Morgen alles glatt geht, sollten Schul- und Aktentasche, Sportbeutel, Bücher, Unterlagen schon am Vorabend in Ruhe gepackt werden. Auch eine Aufgabenliste für den nächsten Tag sollte am besten am Abend schon erstellt werden. So schaffst du es, deinen Kopf frei zu bekommen. Denn was auf der Liste steht, brauchst du nicht im Kopf behalten. Wichtig dabei ist aber, flexibel zu bleiben und nicht zu verzweifeln, wenn an manchen Tagen jegliche Planung über Bord geworfen werden muss.
  • Routinen einführen: Im Familienalltag sollte es bestimmte Fixpunkte geben. Diese schaffen Sicherheit bei Kindern, aber auch bei den Eltern und erleichtern dadurch das Miteinander. Mögliche Fixpunkte könnten sein, morgens immer um die gleiche Uhrzeit aufzustehen, dann gemeinsam zu frühstücken, anschließend die Morgenhygiene. Oder abends wenn beim Fertigmachen vor dem Schlafen gehen immer die gleiche Reihenfolge eingehalten wird. Diese Abläufe müssen irgendwann dann auch nicht mehr diskutiert werden.

 

Ordnung schafft Freiräume!

Jede Mama/ jeder Papa weiß: Wer mit Kindern zusammenlebt, braucht eine gewisse Grundordnung. Denn die Zeit, um Dinge lange zu suchen, fehlt einfach. Deshalb ist es viel einfacher, wenn alle Dinge feste Plätze haben und nach Gebrauch auch wieder dorthin zurückgebracht werden. So findet  man alle Sachen schneller wieder und vergeudet seine Zeit nicht mit unnötigem und nervenaufreibendem Suchen.

Zudem gibt es einen tollen Nebeneffekt: Aufgeräumte Räume sorgen auch für sortierte Gedanken. Und geordnete Gedanken sind befreiend und helfen dir, dich zu entspannen. Ist dein Leben aufgeräumt, verlierst du nicht so schnell den Überblick und kannst auch komplexere Aufgaben ruhig und gelassen angehen.

Praktische Tipps, die für mehr Ordnung in deinem Leben sorgen:

  • Bündle gleichartige Aufgaben: Du kannst viel Zeit sparen, wenn du versuchst, gleichartige Aufgaben zu bündeln und sie auf einen Schlag erledigst. Also beispielsweise wenn du nicht fünfmal am Tag abspülst, sondern nur einmal am Abend.
  • Wechsle Räume nie mit leeren Händen: Wenn du Aufräumwege sparen willst und ganz nebenbei Ordnung machen möchtest, dann nutz diese wirkungsvolle Strategie. Nimm Gegenstände, die herumliegen, mit und schaff sie in den Ziel-Raum.
  • Befolge die 10-Minuten-Aufräum-Regel: Wer regelmäßig aufräumt und putzt, erspart sich große Aufräum-/Putzaktionen. Such dir einen oder mehrere Zeitpunkte am Tag, an denen du 10 Minuten lang aufräumst und putzt. Du wirst sehen, in 10 Minuten lässt sich sehr viel erledigen. Es ist auch möglich, abends daraus ein Spiel zu machen mit der kompletten Familie getreu dem Motto: Jeder räumt in 10 Minuten soviel und effektiv auf wie möglich. So schafft man viel, weil alle mit anfassen.
  • Setze Prioritäten bei der Aufgabenerledigung: Herrscht daheim mal wieder totales Chaos und du weißt gar nicht, wo du zuerst anfangen sollst? Dann beginn mit dem, wo du am schnellsten sichtbare Erfolge erzielen kannst. Es macht wenig Sinn, beispielsweise schon Spielsachen aufzuräumen, mit denen deine Kinder gerade noch spielen. Warte damit lieber bis zum Abend und räume derweil etwas Anderes auf. Das erspart doppeltes Aufräumen!
  • Montier einen kleinen Basketball-Korb über der Wäschetonne:  Wenn deine Kinder die getragenen Kleider auch abends einfach auf den Fußboden fallen lassen, obwohl es eine Wäschetonne vor Ort gibt, dann montier einen kleinen Basketball-Korb über der Wäschetonne und veranstalte jeden Abend einen Basketball-Wettbewerb.

 

Zahlreiche weitere Strategien, wie das Jonglieren mit Familie, Job und Haushalt erleichtert werden kann, sind auch  im E-Book von Birgit Geistbeck und zB auf www.geliebte-ordnung.de zu finden.

Deine Kathi Theissig

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