Schwangere am Strand

Die Geburt: Selbstbestimmung statt Bevormundung

 

Selbstbestimmt gebären

Mit diesem Artikel möchte ich dich gerne an meinen Gefühlen und Gedanken über Selbstbestimmung in der Schwangerschaft und während der Geburt teilhaben lassen. Hast du dir auch schon mal die Frage gestellt, was das überhaupt in diesem Zusammenhang bedeutet? Wo fängt Selbstbestimmung an und wo musst du als Frau abgeben können und einfach nur vertrauen? In deinen Körper, ins Leben, in die Medizin?

 

Was versteht frau unter einer selbstbestimmten Geburt?

Selbstbestimmt gebären bedeutet für mich, dass jede Frau ihr Kind ihren Wünschen, Bedürfnissen und Vorstellungen entsprechend zur Welt bringen darf; dass sie mit Respekt und Achtsamkeit behandelt wird und sie bestimmen darf, was passiert. Ob sie stehen, sitzen, hocken oder liegen möchte. Ob sie die Wellen in der Wanne oder am Geburtsball durchleben möchte – mit Schmerzmitteln oder ohne – es handelt sich schließlich um ihren Körper, um ihr Baby und ihre Geburt.

Ich glaube, eines der wichtigsten Dinge dabei ist, gehört zu werden, fragen zu dürfen und Antworten zu bekommen und das in jeder Situation. Du bist auch nicht unweigerlich dazu verpflichtet, einen Vorschlag des Geburtshilfeteams zu befolgen – meistens gibt es mehrere Optionen und zwar spätestens dann, wenn man danach fragt.

In Notfällen wissen die Geburtshelfer selbstverständlich besser, was zu tun ist, aber die sind ganz selten. Und selbst dann hast du als Mami das Recht, noch schnell zu erfahren, was gerade passiert und wie die nächsten, empfohlenen Schritte aussehen.

 

Seerose zu selbstbestimmt gebärenRezept für deine persönliche Glücksgeburt

Im Endeffekt soll und darf jede Frau ihren eigenen Weg selbst herausfinden, eine leise Empfehlung dazu hab ich aber trotzdem. Sieh es einfach wie ein Kochrezept, dass man nie 1:1 übernehmen muss, sondern beliebig abwandeln kann (vorausgesetzt – man hat eine grundsätzliche Ahnung vom Kochen ;-)).

Nimm eine ordentliche Portion qualitativ hochwertiges Hintergrundwissen und rühre daraus deine eigenen Vorstellungen deine Geburt betreffend. Vermische diese gründlich mit einer kompetenten, dich in deinen Wünschen unterstützenden Begleitung in der Schwangerschaft (z.B. eine Doula) und einer großen Menge positiver Grundeinstellung und Vertrauen in deinen Körper. Füge dieser Mischung deinen für dich passenden Geburtsort und dein Geburts-Dream-Team bei und würze großzügig mit Glück.

So gestärkt, kann dem Gelingen deiner selbstbestimmten Glücksgeburt kaum mehr was im Wege stehen!

 

Wann beginnt Selbstbestimmung im Zusammenhang mit Schwangerschaft und Geburt?

„Ist das dein Ernst, du willst dein Kind tatsächlich zu Hause auf die Welt bringen? Ist dir nicht bewusst, wie gefährlich eine Hausgeburt für dich und dein Baby sein kann?“

„Lass´ dir auf alle Fälle Schmerzmittel geben – man muss nicht unnötig leiden!“

„Bei deinem schmalen Becken und der zierlichen Statur, würde ich gar nicht lang überlegen und mich für einen geplanten Kaiserschnitt entscheiden.“

So, oder zumindest recht ähnlich, ergeht es den meisten Frauen während ihrer Schwangerschaft. Geburt ist nun mal ein ganz besonders emotionales Thema, das aus diesem Grund viele Menschen, gefragt oder ungefragt, ihren Senf dazu geben lässt.

 

Müssen wir also zu diesem Zeitpunkt schon beginnen, auf unsere Selbstbestimmung zu achten?Selbstbestimmt in Schwangerschaft und Geburt

Ja, weil jede negativ behaftete Geburtsgeschichte, die dir erzählt wird, löst etwas in dir aus, setzt sich fest, kann Angst und Unsicherheit schüren.

Und jede positive Darstellung gibt dir selbst Kraft, bestärkt dich darin, auf deine Intuition zu vertrauen und davon überzeugt zu sein, dass du als Frau gemeinsam mit deinem Baby ganz genau weißt, was zu tun ist.

Ich denke, dass die Bemühung um Selbstbestimmung schon in der Schwangerschaft bei der Auswahl der Informationen, die du an dich heranlässt, beginnt.

 

Hier ein paar Tipps, die dir beim Filtern der Informationen behilflich sein könnten:

 

  • Wähle sehr genau aus, welche Geburtsgeschichten du dir anhören möchtest bzw. welche dir gut tun. Bei allen anderen schalte komplett auf Durchzug.
  • Lies so wenig wie möglich im Internet, da es mir bei der Fülle an Informationen besonders schwierig erscheint, an gute, vertrauenswürdige zu kommen. Erkundige dich lieber bei einer aufgeschlossenen Hebamme, welchen Lesestoff sie dir ans Herz legen würde, um dich bestmöglich auf deine Wunschgeburt vorzubereiten. Das Buch, das mir in diesem Zusammenhang spontan als erstes einfällt, ist, wie könnte es anders heißen: „Die selbstbestimmte Geburt“ von der wunderbaren Ina May Gaskin.
  • Schau dir Dokumentationen von Tiergeburten an und lass dich von der geführten Art zu Gebären der Tiere inspirieren (z.B. eine Elefantengeburt)
  • Im Zuge eines Geburtsvorbereitungskurses bei einer Hebamme lernst du Geburtsphasen, verschiedene Positionen und Strategien für den Umgang mit Schmerzen kennen. Darüber hinaus machst du dich mit Entspannungs- und Atemübungen vertraut, lernst deinen Körper feiner wahrzunehmen und gewinnst dadurch Vertrauen in deine weibliche Kraft und die Fähigkeit zu gebären.

Ja und wenn du das alles erledigt hast, hast du vermutlich eine ziemlich klare Vorstellung davon, was dir bzw. deinem Partner wichtig ist und weißt auch, was du gar nicht für euch möchtest. Dieses Wissen kannst du dann in eure ganz persönliche Geburtswunschliste zusammenfassen, die man bei Gelegenheit natürlich auch dem Geburtshilfeteam zeigen kann. Inspirationen dafür kann ich dir bei Bedarf gerne geben. Believe yourself blackboard

 

Wie, wo und mit wem möchte ich meine Geburt erleben?

Klinikgeburt, Hausgeburt oder soll unser Baby in einem Geburtshaus zur Welt kommen? Wenn Klinik, dann welche und möchtest du ambulant oder stationär entbinden? Praktischer Weise gibt es in den meisten Krankenhäusern Informationsabende, wo man sich Zimmer und Kreißsäle ansehen und einen Eindruck der Arbeitsweise verschaffen kann. Wichtig erscheint mir auch, die Kaiserschnittrate der Klinik zu erfahren. Entscheidest du dich gemeinsam mit deinem Partner für eine Hausgeburt, müsst ihr euch um eine Hausgeburtshebamme kümmern, die euch bei der Geburt eures Babys zu Hause unterstützt. Klärt die Frage, ob der werdende Vater bei der Geburt dabei sein möchte und ob ihr noch weitere Personen in euer Geburts-Dream-Team aufnehmen wollt. Deine Mutter, eine liebe Freundin oder eine Doula könnten das Team perfekt ergänzen.

 

my way is the right wayMy Way is the Right Way

So, liebe Leserinnen, ich wünsche euch von Herzen die Möglichkeit selbstbestimmt gebären zu können und zu dürfen, wobei ich noch anmerken möchte, dass es für mich bei Geburt weder richtig noch falsch gibt. Wenn eine Mutter spürt, dass für sie und ihr Baby ein geplanter Kaiserschnitt die passendste Form zu entbinden ist – aus welchem Grund auch immer – sollte diese genauso das Recht auf Selbstbestimmung bekommen, wie eine Frau, die sich eine Hausgeburt wünscht oder eine Wassergeburt im Krankenhaus. Und sie sollte vor allem mit genauso viel Respekt und Unterstützung behandelt werden. Niemand hat das Recht, eine Geburt und die werdende Mutter zu bewerten.

Mich interessiert, wie du über dieses Thema denkst! Durftest du selbstbestimmt gebären oder wurdest du bevormundet? Wenn ja, von wem? Die Kommentarfunktion gehört dir!

 

2 Kommentare
  • katharina Theissig
    Veröffentlicht um 08:42h, 10 September Antworten

    Liebe Julia,

    sehr wichtiges Thema, das du in deinem Blogbeitrag aufgegriffen hast. Und wie ich finde völlig konträr gedacht zu dem, was sich politisch gerade in dem Feld abzeichnet.

    Ich erlebe es in meiner Praxis leider immer öfter, dass Schwangere völlig irre gemacht werden – von verschiedenen Seiten. Es herrscht z.T. ein unerbitterlicher Kampf zw. Hebammen und Frauenärzten, wer und in welchem Umfang die Schwangerenbetreuung erfolgen soll. Aus deren Sicht nachvollziehbar, denn beide Berufsgruppen sind selbständig unterwegs und müssen von daher schauen, wie sie finanziell über die Runden kommen. Aber es ist doch oft zu Lasten der Schwangeren. Ihnen wird immer mehr die Fähigkeit entzogen, selbst ein Gefühl zu haben, was sie und ihr Baby brauchen. Ich erlebe immer mehr Schwangere, die gar kein Gefühl mehr für ihren eigenen Körper und dessen Signale haben. Ich würde mir wünschen, dass es zwischen Hebammen, Frauenärzten, Krankenhauspersonal etc. anstelle einer Konkurrenz künftig eine Kooperation gibt. Ziel sollte sein, Schwangere wieder ins Spüren zu bringen.

    In Zusammenhang mit all dem steht für mich auch, dass es bei uns hier in der Region kaum Geburtshäuser gibt, es immer weniger Hebammen gibt, die überhaupt zu Hausgeburten bereit sind. Und in Deutschland generell das sich immer mehr zuspitzende Thema, dass immer mehr Hebammen das Handtuch werfen. In BGL gibt’s z.T. Wartelisten von bis zu 6 Monaten für die Hebammen- und Nachsorgebetreuung. Auch hierbei bleiben letztlich wieder die Schwangeren auf der Strecke. Es wäre zu wünschen, dass die Politik endlich aktiv wird. Es wäre eine Katastrophe, wenn uns der Berufsstand der Hebammen wegfällt!

    LG Kathi

  • Lucinda
    Veröffentlicht um 08:08h, 10 April Antworten

    Als Vater hast Du eine besondere Funktion im Leben Deines Kindes.
    Für Dein Kind bist Du der erste Mann, dem es
    begegnet, der Held, das Vorbild.

    Was Dein Kind sieht und spürt ist viel mehr, als Du selbst möglicherweise von Dir und Deinem eigenen System bewusst hast.Dein Kind sieht auch Deine unbewussten Emotionen, Deine ungeklärten Themen, Deine Blockaden und all das,was Dich
    ausmacht.

    Ab dem eesten Moment will Dein Kind, dass Du als Vater in Deiner gesamten Kraft und in Deinem
    gesamten Sein bist. Es tut alles, was es kann, um Dir dabei zu „helfen“.
    So kann es sein, dass es Deine ungelösten Themen, Blockaden, Emotionen, Gewohnheiten einfach in sich aufsaugt, damit Du davon befreit bist.

    Du vermutest sicherlich bereits, was damit passiert.
    Dadurch dass Dein Kind Deine Themen aufgesaugt hat, ist erst einmal nichts
    zum besten geschehen. Im Gegenteil. Nun kämpft das
    System Deines Kindes mit Themen, die möglicherweise
    viel zu großsind.

    Das kann dazu führen, dass Dein Kind frühzeitig Krankheitssymptome zeigt, sehnr unruhig ist, unbestimme Ängste entwickelt, sich vom außen abkapselt,
    aggressiv oder sonst wie auffällig ist.

    https://wirklichgut.com/vater-kind-coaching

    Alles Gute!

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