Widerspruch oder Gebot der Stunde?

Was verstehen wir unter Sinn? Die Sinnforscherin Tatjana Schnell von der Universität Innsbruck beschreibt Sinn als einen nicht festgeschriebenen, dynamischen Zustand, wo wir für uns einen Weg gefunden haben, der sich lohnt. Sinn ist nicht etwas, was wir finden, sondern entsteht aus der Bedeutung, die wir einer Sache, einer Handlung oder einem Ereignis geben.

Sie beschreibt 4 Kriterien, die Menschen das Gefühl eines sinnerfüllten Lebens geben:
1) Orientierung – ein Kompass, der unterstützt, geeignete Ziele zu finden und zu verfolgen
2) Kohärenz – die Wahrnehmung, dass wir in verschiedenen Lebensbereichen „stimmig“ leben und sich
diese idealerweise nicht widersprechen
3) Bedeutsamkeit – unsere Handlungen und Entscheidungen empfinden wir als wirksam und bedeutsam
4) Zugehörigkeit – wir sind eingebunden in ein größeres Ganzes – wir haben einen Platz und spielen eine
Rolle in der Gemeinschaft

Was bisher geschah

Wirtschaften hat sich von einem Bereitstellen von Gütern und Dienstleistungen, die für ein gutes Leben für alle notwendig sind, zu einem „immer schneller, weiter, höher“ entwickelt, wo die Erzielung von maximalem Gewinn das alleinige Ziel ist. Wirtschaftswachstum und egoistisches Handeln wird von den
Wirtschaftswissenschaften unwidersprochen als Grundlage des Wohlstandes definiert. Muss das so bleiben?

Die Debatte um den Klimawandel hat einen Paradigmenwandel angestoßen – in der Diskussion geht es um soziale und ökologische Ethik, sowie Gerechtigkeit und Verantwortung. Der Traum von grenzenlosem Wohlstand durch die Globalisierung hat Risse bekommen: Umweltzerstörung, prekäre Arbeitsbedingungen, Zukunftsängste rücken zunehmend in den Fokus. Die Jugendlichen von Fridays for Future fordern unter anderem ein, dass Politik und Staat die Verantwortung wieder zu übernehmen, die sie der Wirtschaft überlassen hat.

Neue Wege gehen

Die gute Nachricht – es gibt einen Ausweg! Charles Eisenstein verwendet in seinem neuesten Buch „Klima“ das Bild eines Labyrinthes, in dem ein Mann immer schneller, immer verzweifelter läuft um den Ausgang zu finden, während sich seine Umgebung erhitzt. Erst als er zusammenbricht, innehält, keine Hoffnung mehr hat, hört er leise Musik. Und weil es egal ist folgt er langsam und aufmerksam dieser Musik – plötzlich sieht er Türen und Wege, an denen er vorher achtlos vorbeigelaufen ist. Hinter mancher Tür verbirgt sich eine Sachgasse, aber er gibt nicht auf und am Ende findet er den Ausgang in eine schöne Welt, von der er in seinem Inneren immer gewusst hat, dass sie existiert……Die Musik seiner Liebsten hat ihn gerettet.

Sinn stiften

Sinnvolles Wirtschaften bedeutet für mich, Sinn erfahren bei der Arbeit, die wir tun in einem Unternehmen, das wir im Einklang mit unseren Werten und Visionen erleben. Wir fühlen uns als Teil einer Gemeinschaft, die respektvoll miteinander umgeht, wo wir gesehen und gehört werden und die
Arbeit, die wir tun für wichtig halten. Wir sind dabei weder über- noch unterfordert. Unternehmen können und sollen dabei einen wichtigen Beitrag leisten.

Werte leben

Eine Möglichkeit der guten Umsetzung in Unternehmen bietet die Gemeinwohlökonomie. Sie fügt der betriebswirtschaftlichen Bilanz eine „Wertebilanz“ hinzu, in der Menschenwürde, Solidarität und Gerechtigkeit, Ökologische Nachhaltigkeit sowie Transparenz und Mitentscheidung bei den Berührungsgruppen der Unternehmen – Lieferant*innen, Eigentümer*innen & Finanzpartner*innen, Mitarbeitenden, Kund*innen und Mitunternehmen sowie die Auswirkungen auf das gesellschaftliche Umfeld gemessen werden. Das ermöglicht Reflexion, eine neue, sinnvolle Ausrichtung der Unternehmen und liefert einen wertvollen Beitrag zur Umsetzung der Sustainable Development Goals, zu der sich alle 193 Staaten weltweit verpflichtet haben.

Seid ihr neugierig geworden? Beginnen wir jetzt!

Deine Renate Hagmann

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