Fuchs meets Crowd

Ein Gespräch mit der Dirigentin und Kulturmanagerin Elisabeth Fuchs über Schnitzel, Pionierarbeit und ein Leben auf der Überholspur.

Liebe Lisi, du hast es als Dirigentin und Kulturmanagerin geschafft, eine große Anzahl an Menschen aller Altersstufen für Musik zu begeistern – sei es mit deinem Orchester Philharmonie Salzburg, den Kinderfestspielen oder der Salzburger Kulturvereinigung. Die Fan-Gemeinde ist riesig. Stolz?

Natürlich fühlt es sich toll an, wenn tausende Kinder ganz gespannt zum ersten Mal Mozart, Vivaldi oder Mussorgski hören oder 3.000 Lehrlinge zum ersten Mal in einem klassischen Konzert im Großen Festspielhaus sitzen. Da hat man wirklich das Gefühl, Pionierarbeit zu leisten, auch für die Konzertveranstalter der Stadt. Irgendwann muss man ja beginnen, die „Besucher von Morgen“ zu begeistern. Das Publikum findet einen ja später nicht von selbst. Ein großes Glück ist es auch, wenn über 5.000 Abonnenten die Konzerte der Kulturvereinigung besuchen. Aber man kann sich auf diesen Erfolgen nie wirklich ausruhen, sondern muss immer wach sein und neue Ideen haben. Das Publikum ist schließlich wählerisch und es gibt neben der Musik auch noch viele andere Möglichkeiten, die Freizeit zu gestalten. Mit Formaten wie Soul meets Classic versuche ich nicht nur gute Musik in einem ungewöhnlichen Format zu präsentieren, sondern auch mehr und neue Leute in den Konzertsaal zu locken. Und es ist einfach lässig mit so einem großen Klangkörper und einem wirklich coolen Sänger wie Mano Ezoh auf der Bühne zu stehen!

Portrait von Elisabeth Fuchs

Verrate uns mal, wie so ein Mega-Projekt wie „Soul meets Classic“ überhaupt zustande kommt.

Ich bin immer auf der Suche nach neuen künstlerischen Herausforderungen und spannenden Menschen- und Musikbegegnungen aus allen Genres. Darum dirigier’ ich schon seit über zehn Jahren immer wieder Unübliches für den klassischen Konzertsaal. Mit dem Soul-Sänger Mano Ezoh gab es vor fast zwei Jahren ein erstes Treffen bei dem klar war, die Chemie passt. So kommt eins zu anderen, und dank meines großartigen Teams steht nun erstmals das Format Soul meets Classic am Konzertprogramm. Mit dabei sind 60 Orchestermusiker, 260 erwachsene Chorsänger und 80 Salzburger Schulkinder von Superar Austria. Es wurde bereits eifrig geprobt und ab dem kommenden Wochenende werden erstmals alle 400 Mitwirkenden zusammen proben, darauf freue ich mich wirklich riesig!

Wie nimmt das Publikum so eine „Cross over“-Veranstaltung an?

Sagen wir so: Ich bin im Gasthaus groß geworden und weiß, was ein Schnitzel im Einkauf kostet und dass ich acht von elf Schnitzel verkaufen muss, damit es sich ausgeht – das nennt man heut „break even“ 😉 Genauso ist es im Kartenverkauf. Als künstlerische Leiterin muss man heute auch wie ein Marketingmanager denken können und sich genau überlegen, wen man auf die Bühne holt und wie man das verkaufen kann. Ich muss für das Publikum attraktiv programmieren um es überhaupt zu erreichen und zum Kartenkauf zu überzeugen, gleichzeitig ist es aber als künstlerische Leiterin auch meine Aufgrabe, das Publikum zu fordern und zu fördern. Eine Gratwanderung. Mit Soul meets Classic erreiche ich viele interessierte Menschen, unter anderem auch die, die nicht regelmäßig in Konzerte oder vielleicht sogar noch nie im Gr. Festspielhaus waren. Aber wenn es gelingt, sie zu berühren und zu begeistern – und das wird es – dann werden sie es weitererzählen und auch wiederkommen.

Dein Energielevel ist bestimmt vielfach höher als beim Gros der Menschen. Schafft man das alles nur so?

Dafür gibt es kein Allgemeinrezept, vielleicht am ehesten, dass ich wahnsinnig gerne arbeite, kreiere und Menschen begegne. Und dass ich mir selbst immer schon sehr treu war und bin, und dadurch voll in meiner Kraft stehe. Zudem vermeide ich den Kontakt mit Menschen, die mir nicht guttun, das wäre für mich eine Lebenszeitvergeudung. Ich jedenfalls lasse mich nicht stressen und lebe extrem im Moment. Egal was ich mache, ob Emails oder Wäsche, ich bin dabei extrem effizient. Mit mir gibt es auch keine ewig langen Team-Meetings. Und wenn ich mit meinen beiden Kindern bin, dann gehe ich nur in ganz dringenden Fällen ans Telefon.

Wie ist das als Dirigentin in einer Männerdomäne? Bist du da mit Klischees konfrontiert?

Früher hatten wir nur wenige weibliche Vorbilder und wir Mädels wurden auch nicht so stark gefördert. Mein Glück war, dass ich eine selbständige und selbstbewusste Mutter habe. Sie war Wirtin ohne Angst vor Risiko, und an meinem Karriereweg hat sie nie gezweifelt. Mittlerweile ist die Einstellung der Gesellschaft gegenüber weiblichen Führungspersonen schon besser geworden, aber Menschen, die dir Steine in den Weg legen, wird es vielleicht immer geben. Dass man sich davon nicht verunsichern oder klein machen lässt, ist oft eine Herausforderung. Frauen sind davon, glaube ich, öfter betroffen als männliche Kollegen. In meinem Umfeld waren zum Glück viele männliche Förderer, allen voran mein Vater.

Dirigentin Elisabeth Fuchs und die Philharmonie SalzburgAber egal ob Dirigentin oder Dirigent, das Wichtigste ist immer noch die fachliche Kompetenz und gute Vorbereitung. Dazu soziale Kompetenz und auch ein Stückchen Autorität. Wenn man da vorne steht, kann man nicht unsicher fragen, was meint denn ihr? Man muss ein Typ sein, der sagen möchte, wo es langgeht. Aber natürlich ist das alles konsequente, harte Arbeit. Das kann man nur ertragen, wenn man den Sinn dahinter sieht und Freude daran hat.

Ein Fuchs muss tun, was ein Fuchs tun muss… heißt es in einer Nummer der Absoluten Beginner. Könnte das auch dein Mantra sein?

Zumindest habe ich schon immer meine eigene Spur verfolgt. Und mit den Lebensjahren bin ich auch mutiger geworden. Für mich war schon mit 16 Jahren als Chorsängerin klar, dass ich mal vorne am Orchester stehen möchte, um die Klangführung zu übernehmen. Dieser ungewöhnliche Wunsch erschien mir damals aber als ein Jungmädchentraum. Mit 19 entschied ich mich erst für ein familienfreundliches Lehramtsstudium, da ich Kinder haben wollte. Mit 22 begann ich trotz allem – und als eine der wenigen Frauen – an der Universität Mozarteum Dirigieren zu studieren und gründete sofort mein eigenes Orchester, die heutige Philharmonie Salzburg. Schließlich brauchte ich einen Klangkörper, den ich dirigieren konnte. So lernte ich neben dem Dirigieren auch das Management eines Orchesters. Das sind so Dinge, die musste ich einfach tun.

 

#TheFemaleCrowd bedankt sich für das interessante Gespräch!

Elisabeth Fuchs ist die künstlerische Leiterin und Chefdirigentin der Philharmonie Salzburg, die sie selbst 1998, noch während des Studiums, gegründet hatte. Außerdem ist sie die künstlerische Leiterin von Salzburgs führendem Konzertveranstalter, der Salzburger Kulturvereinigung. Dazu kommt ihre Aufgabe als künstlerische Leiterin der Kinderfestspiele, die sie 2006 gründete, und ihre zahlreichen Engagements als Gastdirigent internationaler Orchester.

Die Mutter zweier Kinder und dreifache Magistra (Lehramt Mathematik und Musik, Chordirigieren und Orchesterdirigieren) wuchs im elterlichen Gasthaus in Wartberg an der Krems auf und lebt in Salzburg.

Soul meets Classic

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