Der Zufall und die Meeresschildkröte

Zufall! “Zufall – gibt es nicht, es fällt einem zu“ – ist bereits Jahre lang mein Motto! Und vor kurzem wurde dies wieder bestätigt…

Eine gute Bekannte hat mir vor kurzem ein paar Bücher in die Hand gedrückt, die ich mir nach und nach vorgenommen habe. Es geht um die Sinnfindung im Leben, Spiritualität, um Gott und um Erfahrungsberichte zum Teil berühmter Persönlichkeiten.

Ein Buchtipp

„Das Café am Rande der Welt“ von John Strelecky ist ein dünnes Büchlein dass ich nebenbei gelesen habe und es geht um einen Mann der „zufällig“ bei einem Roadtrip in einem Café landet. Auf den ersten Blick nicht sehr ungewöhnlich, allerdings sind die Begebenheiten und das Personal im Café von einem Zauber umgeben, der im weiteren Verlauf des Buches diesen Mann – und mich als Leser – sehr einnehmen und nachhaltig verändern. Die Bedienung erzählt unter anderem eine Lektion, die sie von einer grünen Meeresschildkröte gelernt hat, die sich im Wasser von den Strömungen treiben lässt, nicht gegen die Wellen ankämpft, sondern wartet bis die Welle sie von hinten erreicht und sie mühelos in die gewünschte Richtung paddeln kann… Und genau so soll es im Leben sein – sich vom Lebensfluss mittreiben lassen und nicht mit Gewalt in eine Richtung steuern, in die dich das Leben gar nicht bringen möchte.

 

Echte Meeresschildkröten?

Diese kleine Anekdote, hat mir zu denken gegeben. Ich habe mir vorgestellt, im Wasser zu sein, und wie ich gegen die Strömung ankämpfte, wie anstrengend das ganze immer ist. Ich spannte den Bogen ins richtige Leben… Wer kennt das nicht? Tja, einer Meeresschildkröte im Wasser zu begegnen, das ist wohl eine Vorstellung die zwar schön, aber nicht wirklich realistisch ist! Ich habe mir fest vorgenommen, wenn ich das nächste Mal im Meer schwimme, beziehungsweise wenn ich einmal eine Meeresschildkröte sehen sollte, mich daran zu erinnern…

Verschollen im Bermudadreieck

In der Zwischenzeit habe ich einen Auftrag erhalten, für den America‘s Cup nach Bermuda zu fliegen, um dort ein Projekt zu starten. Bermuda?! Ich musste erst mal nachschauen wo das genau auf der Weltkarte zu finden ist. Eine winzig kleine Insel 1000 km vor Amerika, rundherum nichts außer Wasser und das einzige, was einem in den Sinn kommt, ist das Bermudadreieck und die Bermuda Shorts! Als ich meinen Freunden und Bekannten davon erzählte, witzelten einige darüber, ob ich wohl wieder heil zurückkommen werde.

Auf zur Insel

Anfang Februar war es dann soweit und wir flogen auf diese kleine Insel mitten im Atlantik, wo wir uns ein großes Haus für unser Team gemietet hatten. Dieses alte Herrschaftshaus aus dem letzten Jahrhundert sollte für die nächsten Monate also zu Hause sein. Die romantische Vorstellung von Bermuda, wurde jedoch keineswegs erfüllt: es regnete fast ununterbrochen, wir hatten Windstärken bis 80 KMH, es war feucht und kalt, im Haus gab es keine Heizung und die Kälte kroch uns tief in die Knochen.

Ein paar Annehmlichkeiten

Natürlich gab es auch ein paar regenfreie Tage, in welchen wir die spärliche Freizeit nutzen und eine Slackline, sowie eine Hängematte zwischen je zwei Palmen spannten, um den Kopf freizubekommen. Eine weitere Annehmlichkeit war unser direkter Meerzugang, welcher vor der kleinen Buck Island lag. Hier konnten wir fischen oder mit unserem Stand up Paddle Board starten.

Ein mobiles Haus

Ich war im ersten halben Jahr circa drei Monate auf Bermuda, bin immer wieder hin und her geflogen, um das Projekt zu planen und zu organisieren.

Für Interessierte: wir haben ein mobiles, temporäres Eventgebäude errichtet, welches jetzt nach dem America‘s Cup wieder abgebaut, in Container verfrachtet und nach Südkorea geschickt wird, um dort für das nächste große Projekt wieder aufgebaut zu werden. Diesmal habe ich Parkettboden und Terrassendielen verlegt, Böden geschrubbt und poliert, Wände lackiert, siliconiert und den Gestank der Gase inhaliert.

Es heißt flexibel zu bleiben, zusammen zu halten, einander zu helfen und sich zu unterstützen!

Rosa gefärbter Sand

Die Arbeit ist uns nicht ausgegangen und so kam es, dass wir in fast drei Monaten gerade mal fünf Mal am Strand waren. Und es gibt richtig schöne Strände auf Bermuda! Angefangen von dem berühmten Horseshoe Bay mit rosagefärbtem Sand, über kleine romantische, zum Teil menschenleere, Strände. An meinem allerletzten Tag auf Bermuda haben wir uns die Zeit genommen, um noch einmal ins Wasser zu springen. Wir haben uns einen etwas weiter entfernten Strand ausgesucht, der direkt auf dem Weg zu unserer Eventlocation liegt. Drei Monate sind wir dort unwissend vorbeigefahren!

Im glasklaren Wasser spiegelte sich die untergehende Sonne,… Plötzlich sahen wir dunklere Schatten an der Wasseroberfläche und kleine Köpfe tauchten auf. Wir realisierten, dass hier circa 15 Meeresschildkröten umher schwammen.

 

So ein Zu-Fall aber auch

Man musste mich nicht zweimal bitten! Innerhalb weniger Sekunden war ich mitten im erfrischenden Nass und suchte an der Oberfläche nach den Schildkröten. Und tatsächlich – ein paar Minuten später entdeckte ich eine direkt unter mir. Ich erinnerte mich sofort an das Buch, welches ich vor ein paar Monaten gelesen hatte, und gab mich der Strömung hin. Ich versuchte, hinter der Schildkröte her zu schwimmen, welche sanft am Meeresgrund entlang gleitete und alle 2-3 Minuten auftauchte um Luft zu schnappen! Ich war hin und weg! Es war wie im Traum und ich genoss jede Sekunde in vollen Zügen! Als meine kleine Meeresschildkröte (sie hatte einen Durchmesser von 50 cm und war an beiden Vorderflossen markiert) wieder auftauchte, kam ich ihr so nahe, dass ich die hintere Flosse berühren konnte. Das hat sie leider erschreckt und sie verschwand rasch im Ozean. Überglücklich bin ich ans Ufer geschwommen und kann bis heute mein Glück und diesen „Zufall“ nicht fassen!

Das angehängte Video ist von einer Bekannten, die dieses mit einer Unterwasserkamera gefilmt hat und mir zur Verfügung gestellt hat! Danke dafür! Nun sitze ich zu Hause auf meiner Terrasse in der Sonne, schreibe diese Zeilen, und bin mir ganz sicher: Zufälle gibt es nicht! Es fällt einem zu….

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