Kleiner Bub vor blauem Himmel, der die Nase kräuselt

Eltern zu sein ist eine wunderbare und oftmals sehr dankbare Aufgabe. Die Kinder in ihrer Entwicklung zu begleiten, bedeutet intensiv an ihrem Leben teil zu haben. Aber seien wir einmal ehrlich: Erziehen ist auch hin und wieder anstrengend. Es braucht Zeit, Geduld, Nerven und Fantasie. Elternsein ist eine Gratwanderung von Unterstützung und Gewähren lassen, Liebe und Disziplin, Geben und Nehmen, Nähe und Distanz.

Wie schafft man es als Mutter oder Vater, die vielen kleinen Konflikte des alltäglichen Miteinanders liebevoll zu lösen?

Mit Humor erzieht es sich leichter!

Viele Eltern und Pädagogen glauben, dass sie sich nur mit Strenge und Ernsthaftigkeit beim Kind Respekt verschaffen und ihre Erziehungsziele erreichen können. Dabei können ein wenig Gelassenheit und Humor im Erziehungsalltag wahre Wunder vollbringen. Ein Lächeln, ein Augenzwinkern und eine witzige Bemerkung relativieren die Erziehungsfronten, und schon ist es möglich, die Dinge nicht ernster zu nehmen, als es ihnen zusteht.

Wenn Kinder eine humorvolle Atmosphäre in der Familie erleben, lernen sie zugleich voller Zuversicht und Optimismus in die Welt zu ziehen und den Menschen mit Herzlichkeit und Nachsicht zu begegnen. Und je eher ein Kind die positiven Wirkungen des Humors entdeckt, umso leichter wird ihm das Erwachsenenleben mit all seinen ernsten Anforderungen fallen. Denn Humor hilft Stress zu bewältigen, fördert kreatives und innovatives Denken und weist einen optimistischen Weg aus Konflikten und Krisen heraus. Kinder, die viel zu lachen haben, bauen ihre Aggressionen besser ab, und davon profitiert schließlich die ganze Familie. Eine humorvolle Grundeinstellung fördert des Weiteren die Frustrationstoleranz des Kindes und steigert seine soziale Kompetenz. Außerdem ist ein fröhliches Kind ausgeglichener und bei seinen Mitmenschen viel beliebter als ein Miesepeter.

 

Stellung beziehen durch Grenzen setzen

Zum Eltern sein gehört es auch dazu, Stellung gegenüber seinen Kindern zu beziehen und ihnen Grenzen zu setzen. Kinder brauchen und wollen Grenzen, denn Grenzen sind für sie vergleichbar mit einem Geländer, an dem sie sich festhalten können und innerhalb dessen sie sich frei bewegen können. Grenzen geben Kindern nicht nur Halt, Verlässlichkeit, Zugehörigkeit und Schutz, sondern auch Sicherheit und dem Zusammenleben, besonders in der Familie, Struktur.

So wie Grenzen Sicherheit geben und herausfordern, so verunsichern fehlende Grenzen. Ohne Grenzen können Eigenständigkeit, Autonomie, Selbstwertgefühl, emotionale und soziale Zugehörigkeit nicht ausgelebt werden. Grenzen sind somit ein Teil des Fundaments, auf dem Eltern-Kind-Beziehungen aufbauen. Grenzen wollen nicht beherrschen, sondern leiten, führen, unterstützen und anregen. Erlauben Eltern ihrem Kind alles, kann das Kind keine seelische Kraft entwickeln, es ist orientierungs- und haltlos. So paradox es auch klingt, gerade durchs Grenzen setzen zeigen Eltern, wie wichtig ihnen ihre Kinder sind, denn sie bringen damit zum Ausdruck, dass es ihnen nicht egal ist, was ihre Kinder machen.

Grenzen und Regeln müssen für Kinder abschätzbar und verlässlich sein. Für Kinder ist es sehr verwirrend, wenn Eltern dauernd ihren Standpunkt ändern. Zudem ist es wichtig, dass Eltern bereits gesetzte Grenzen immer wieder hinterfragen und an das Alter ihrer Kinder und an die aktuelle Familiensituation anpassen.

 

Liebevolle Konsequenz auf Augenhöhe

Grenzen zu setzen heißt, sich „Nein sagen“ zu trauen. Durch Mimik und Haltung sollte zum Beispiel das „Nein“ und kein „Vielleicht“ gezeigt werden. Eltern sollten sich bewusst machen, sie äußern keine Bitte, nichts was diskutiert werden könnte. Sie sind zweifelsohne berechtigt, eine Forderung zu stellen. Dabei ist wichtig, dass Eltern zuverlässig sind und Vereinbarungen und Versprechungen eingehalten werden. Am leichtesten erreichen Eltern die volle Aufmerksamkeit ihrer Kinder, wenn sie mit ihnen im Blickkontakt sind, am besten auf gleicher Augenhöhe. Erst dann sollten klare, kurze und einfach formulierte Anweisungen folgen.

An dieser Stelle sei betont: Grenzen setzen heißt nicht, Gewalt auszuüben! Jedes Kind hat ein Recht auf eine gewaltfreie Erziehung! (siehe auch § 1631 BGB für Deutschland/ § 146a ABGB für Österreich). Schläge, Schimpfen, Brüllen oder Drohen durch die Eltern erzeugen in den Kindern oft nur Trotz, was wiederum Tadeln und Strafen provoziert. Das positive Vorleben regt Kinder viel mehr an als alle Forderungen und Verbote.

 

Ich-Botschaften und aktives Zuhören als Schlüssel in der Kommunikation mit deinem Kind

Bei einer Kommunikation mit Kindern spielt die Wachsamkeit der Eltern eine bedeutende Rolle. Oft haben Kinder das Gefühl, dass Mutter oder Vater ihnen nicht richtig zuhören und gar nicht verstehen, was sie im Augenblick bewegt. Es gibt beim Zuhören sehr gute Techniken, etwa das passive und das aktive Zuhören.

Passives Zuhören

Passives Zuhören wirkt als nachdrückliche, nicht-verbale Botschaft, die dem Kind mitteilt, dass es sich aussprechen kann. Eltern bringen mit dieser Form des Zuhörens nonverbal zum Ausdruck: „Ich möchte, dass du mir sagst, was du empfindest. Ich akzeptiere deine Empfindungen. Und ich überlasse dir die Entscheidung, was du mir mitteilen möchtest.“ Passives Zuhören ermutigt Kinder, über ihre Gefühle zu sprechen. Sie erwarten aber mehr als nur schweigendes Zuhören.

Ältere Kinder brauchen manchmal sozusagen einen Türöffner, um über ihre Gefühle und Probleme reden zu können, zum Beispiel: „Magst du darüber sprechen?“ oder „Mich würde interessieren, was du darüber denkst.“ Eltern sollten offene, wertfrei formulierte Fragen stellen, die dem Kind die Möglichkeit geben, auch über weitere Aspekte des Problems zu sprechen. Hilfreich ist es darüber hinaus, dem Kind durch kleine Gesten und verbale Unterstützung zu zeigen, dass wir ihm innerlich folgen. Das können zum Beispiel Einwürfe sein wie „Ich verstehe“ oder Kopfnicken. Eltern teilen ihrem Kind dadurch mit, dass sie interessiert sind und dass sie akzeptieren, was es erzählt.

Aktives Zuhören

Beim aktiven Zuhören spiegeln Eltern die vorangehende Botschaft des Kindes, indem sie eine entsprechende Rückmeldung geben. Sie fassen die Bedeutung dieser Botschaft in eigene Worte. Ein Kind sagt zum Beispiel: „Ich will nicht in den Kindergarten.“ Die Mutter oder der Vater sagen: „Du gehst nicht gern in den Kindergarten, wenn ich arbeiten muss.“ Kind: Nein, überhaupt nicht. Ich will nicht gehen. Du fehlst mir dann.“ Mutter oder Vater: „Du hättest mich gern vormittags bei dir. Gibt es etwas, das dir helfen kann, damit es nicht so schwer für dich ist?“ Das Kind überlegt und sagt dann: „Wenn ich deine Jacke hätte, die riecht so gut nach dir.“

Eltern können das aktives Zuhören lernen, wenn sie es kontinuierlich proben. Es sollte möglichst keinen „Papageiencharakter“ annehmen, sondern ist vielmehr zu verstehen als eine Technik, durch die sich deine Kinder verstanden fühlen und sich dir gegenüber viel vorbehaltsloser öffnen können.

Mutter und Kleinkind beim Plaudern

Ich-Botschaften

Auch das Verwenden von Ich-Botschaften wirkt sich positiv auf die Eltern-Kind-Beziehung aus. Ein Erwachsener, der eine Ich-Botschaft sendet, übernimmt Verantwortung für seinen eigenen inneren Zustand. Er taucht sozusagen in das hinein, was er tief in sich hört. Und er zeigt seine Verantwortung, indem er diese Selbsteinschätzung dem Kind offen mitteilt. Ich-Botschaften geben dem Kind die Möglichkeit, sein Verhalten von sich aus zu ändern. Es fühlt sich vom Erwachsenen nicht gezwungen, etwas gegen seinen Willen zu tun. Gleichzeitig vermeiden Ich-Botschaften negative Urteile und stärken beim Kind den Willen zur Rücksichtnahme und Hilfsbereitschaft.

Ich-Botschaften erfüllen drei wichtige Kriterien für eine Erfolg versprechende Kommunikation. Erstens fördern sie mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit die Bereitschaft zu einer Änderung. Zweitens enthalten sie keine negative Einschätzung des Kindes. Drittens verletzen sie die Beziehung nicht.

Zu guten Ich-Botschaften gehören keine Schlussfolgerungen wie „Du solltest dies oder das tun.“ Sie ermöglichen den Kindern vielmehr, eigene Lösungen für das Problem mit dem Erwachsenen zu entwickeln. Diese Lösungen sind oft überraschend kreativ und wären dem Erwachsenen vielleicht nie eingefallen.

 

Selbstreflexion

Um die Anforderungen des Alltags mit Kindern zu meistern, ist es hilfreich, seine eigenen Erziehungsziele und Werte regelmäßig ins Bewusstsein zu rufen. Dies gibt dir die Möglichkeit, überlegt und somit zum Besten deines Kindes zu handeln und nicht nur bloß zu reagieren. Dieses Umschalten von „Autopilot“ in „manuell“ bedeutet, mit allen Sinnen im Hier und Jetzt zu sein und jegliches Planen und Überlegen auf Später zu verschieben. Dadurch ermöglichst du dir, auch in hektischen Situationen ruhig und besonnen zu handeln und dadurch Stress und die damit verbundenen negativen Folgen zu reduzieren.

Erziehung bedeutet auch immer wieder, in sich selbst hinein zu horchen: Wie geht es mir gerade, welche Gefühle sind gerade präsent, was denke ich über diese oder jene Situation und was brauche ich gerade? Und vor allem: Wie möchte ich mich verhalten? Es kann manchmal verblüffend sein, wenn ich feststelle, das was ich gerade getan oder gesagt habe, kenne ich schon aus meiner eigenen Kindheit. Ob ich es damals mochte oder nicht: Wenn ich mir dieser Verhaltensmuster bewusst werde, kann ich entscheiden, ob ich es genau so oder anders machen möchte.

 

Geht es den Eltern gut, geht es auch den Kindern gut!

Um mit der nötigen Ruhe und Gelassenheit ganz bei deinem Kind sein zu können, ist es wichtig,  dass du dir selbst immer wieder etwas Gutes tust. Ob Sport, Yoga, Meditation oder einfach mit den Freundinnen treffen – jede Tätigkeit, mit der du deine Energiereserven wieder auftanken kannst, ist  goldwert. Die Zufriedenheit der Eltern mit ihrer Erziehungsaufgabe ist auch wichtiger Aspekt für die Kinder, denn nur so lernen sie, mit den Bedürfnissen anderer Menschen respektvoll umzugehen.

Adieu Perfektionsanspruch!

Liebe Eltern, lasst euch vom glorifizierten Bild des Elternseins der Fernseh- und Zeitschriften-Welt nicht unter Druck setzen. Die Wahrheit ist: Ein Kind läuft nicht nebenbei, sondern verändert dein Leben schlagartig. Es ist für Jeden/ für Jede ein Kraftakt, Kinder haben/Eltern sein, Partnerschaft und Job unter einen Hut zu bringen. Wir verzweifeln alle mal an gewissen Situationen, niemand ist perfekt!

Kinder brauchen auch keine perfekten Eltern – sondern liebevolle Mütter und Väter, die an ihren Aufgaben wachsen, sich selbst nicht vergessen und mit Sicherheit an der Seite ihrer Söhne und ihrer Töchter bleiben. Kinder brauchen Eltern, die ihre Gefühle offen und ehrlich zum Audruck bringen.  Denn Gefühle zeigen ist und macht stark! Gute Eltern sind starke Eltern! Eltern, die mutig genug sind, sich über die eigenen Stärken und Schwächen, Rechte und Pflichten, Ziele und Wünsche Gedanken zu machen; die die Erwartungen, die sie an sich selbst und ihre Kinder stellen, immer wieder hinterfragen; die über die Möglichkeiten nachdenken, die sie sich und ihren Kindern einräumen. Starke Eltern sind sich ihrer Vergangenheit mit all ihren Vor- und Nachteilen bewusst und wollen ihre Kinder zu selbständigen Menschen heranwachsen lassen.

 

Nachfolgendes Gedicht von Familientherapeutin Virginia Satir fasst auf wunderbare Weise zusammen, was in der Begegnung zwischen Eltern mit ihren Kindern wirklich zählt:

Wie ich dir begegnen möchte

Ich möchte dich lieben, ohne dich einzuengen.
Dich wertschätzen, ohne dich zu bewerten.
Dich ernst nehmen, ohne dich auf etwas festzulegen.
Zu dir kommen, ohne mich dir aufzudrängen.
Dich einladen, ohne Forderungen an dich zu stellen.
Dir etwas schenken, ohne Erwartungen daran zu knüpfen.
Von dir Abschied nehmen, ohne Wesentliches versäumt zu haben.
Dir meine Gefühle mitteilen, ohne dich dafür verantwortlich zu machen.
Dich informieren, ohne dich zu belehren.
Dir helfen, ohne dich zu beleidigen.
Mich um dich kümmern, ohne dich verändern zu wollen.
Mich an dir freuen, so wie du bist!
Wenn ich von dir das Gleiche bekommen kann, dann können wir uns wirklich begegnen und uns gegenseitig bereichern.

 

Literaturempfehlungen

Büchertipps für Kinder

Mebes, Marion: Der Gefühleflip: Flip mal – Mix mal – Fühl mal, broschiert, 2014

Blattmann, Sonja: Ich bin doch keine Zuckermaus: Neinsagegeschichten und Lieder, 2015

Blattmann, Sonja: Mein erstes Haus war Mamis Bauch: Eine Geburts(tags)geschichte mit

Liedern für Mädchen und Jungen, 2007

Blattmann, Sonja: In mir wohnt die Sonne. Audio-CD – Audiobook, 1999

Mebes, Marion: Kein Küsschen auf Kommando, broschiert, 1998

Büchertipp für Eltern

Juul, Jesper: Dein kompetentes Kind: Auf dem Weg zu einer neuen Wertgrundlage für die ganze Familie, 2009

Rogge, Jan Uwe: Kinder brauchen Grenzen

Rogge, Jan Uwe: Wie Sie reden, damit Ihr Kind zuhört

 

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