5 Tipps für gewaltfreies Hundetraining

Hundetraining überall

Das Thema Hundetraining ist populär wie nie zuvor. Überall kommen wir mit diesem Thema in Berührung. Seien es Serien im Fernsehen, Beiträge in den sozialen Medien oder Artikel in der Zeitung. Das hat damit zu tun, dass der Hund als treuer Gefährte immer beliebter wird und wir uns natürlich viel Mühe geben, um das Zusammenleben so schön wie möglich zu gestalten und unserem besten Freund alles zu geben, was er braucht.

In dieser Fülle an Informationen und Angeboten findet man die unterschiedlichsten Trainingsmethoden und Herangehensweisen. Oft hört oder liest man Begriffe wie „Clickern“ oder „positive Bestärkung“ – leider auch noch immer „Bestrafung“ oder „auf den Rücken werfen“. Was viele nicht wissen ist, dass Hundetraining ein freies Gewerbe ist und keine Ausbildung erfordert. Ich denke, dass das auch oft ein Mitgrund ist, warum veraltete Methoden immer noch angewendet werden.

Die schwierigste aller Fragen ist nun – welche Methode ist die richtige?

Leider muss ich dich hier enttäuschen, denn es gibt keine allgemein gültige Antwort. Jeder Hund und jeder Halter sind individuell, haben einen eigenen Charakter und jeder lernt anders. Das macht die Arbeit als Hundetrainer so spannend, weil ich mich auf jedes Mensch-Hund-Team neu einstellen darf, um dann gemeinsam eine passende Lösungsweise zu finden.

Gewaltfreies Training ist die bessere Wahl

Was ich aber mit Sicherheit sagen kann ist, dass für mich persönlich gewaltfreies Training eindeutig die bessere Wahl ist! Warum? Erstens ist es in Österreich zum Glück per Tierschutzgesetz verboten, einem Tier Leid oder Schmerz zuzufügen. Zweitens steht für mich die Beziehung im Training im Vordergrund.

Vertrauen zwischen Hund, Halter und Trainerin ist wichtig

 

Gute Beziehung macht Training einfacher

Wenn die Beziehung zwischen Mensch und Hund (natürlich gilt das auch für andere Tiere) passt, funktioniert auch das Training besser. Denn wenn ich meinen Hund liebe und ihm vertraue und er mir auch, dann unternehmen wir gerne etwas zusammen. Wir gehen gemeinsam durch dick und dünn und haben auch die Bereitschaft, Dinge für den anderen zu tun, die uns vielleicht nicht so großen Spaß machen. So wird auch unser haariger Freund eher auf einen Rückruf reagieren, obwohl er gerade spielen will oder brav bei uns sitzen bleiben, obwohl am Wegesrand ein verführerischer Duft wartet.

Mensch und Hund sollen sich wohl fühlen und Spaß haben

Für mich ist im Training wichtig, dass Hund und Halter sich wohl fühlen und Spaß an der Sache haben. Diese beiden Faktoren kann ich nicht erfüllen, wenn Gewalt, Druck oder Zwang im Spiel sind. Denn wenn wir uns an die Schulzeit zurück erinnern – wem hat es Spaß gemacht, vor der ganzen Klasse Aufgaben zu lösen, die uns nicht liegen? Und das mit dem Wissen, dass uns eine Strafe erwartet, wenn wir es nicht schaffen? Und wieviel von diesen Lerninhalten ist im Gedächtnis geblieben? Viel angenehmer und nachhaltiger waren doch die Unterrichtseinheiten, wo wir gelobt wurden, oder in denen die Lehrer den Unterrichtsstoff in interessante Geschichten oder Experimente verpackt haben.

 

Stärken, Ziele, Motivation

Was sind die Stärken? Wo ist das Ziel? Was ist die passende Motivation?

Es ist sogar nachgewiesen, dass das Gehirn unter Stresseinwirkung nicht mehr so gut bis gar nicht mehr aufnahmefähig ist. Das heißt für mich als Trainerin, dass ich erst mal herausfinden muss, was Hund und Halter für Vorlieben und Stärken haben, aber auch, was sie gar nicht mögen und wo die Schwächen liegen. Ich muss sehen, wo beide stehen und was das Ziel sein soll.

Ganz wichtig ist auch noch zu wissen, was als Motivation und Belohnung empfunden wird. Schließlich soll sich braves Lernen ja auch lohnen! Denn Verhalten, mit dem Hunde Erfolg haben – wodurch sie also etwas erreichen, das sie haben möchten – werden sie mit Freude immer wieder zeigen. Leider gilt das nicht immer nur für Verhalten, das wir gerne hätten.

Eine Streicheleinheit kann eine starke Belohnung sein!

 

5 Tips für gewaltfreies Training

Mache dir eine Hitliste der liebsten Belohnungen deines Hundes
Trainiere in einer Umgebung, in der ihr euch beide wohl fühlt
Suche dir einen passenden Zeitpunkt aus
Überlege dir vorher genau, was du trainieren möchtest
Beende das Training immer mit einem Erfolgserlebnis

1. Hitliste der Belohnungen

Die Hitliste der Belohnungen hilft dir erst mal dabei herauszufinden, was dein Hund überhaupt als Lohn empfindet. Das können unterschiedliche Dinge sein – ein Leckerli, ein Spielzeug, eine Streicheleinheit, ein Lobwort – jeder Hund hat andere Vorlieben. Außerdem kannst du so deinen 4-Beiner je nach Schwierigkeitsgrad der Aufgabe mit einer anderen Qualität belohnen – für leichte Aufgaben gibt es ein „normales“ Leckerli, für schwierige ein „suuuuper“ Leckerli.

Natürlich musst du nun nicht für immer einen riesen Rucksack mit Belohnungen dabei haben, denn dein Hund soll ja lernen, dass er das gewünschte Verhalten in Zukunft auch so zeigt. Anfangs wirst du mehr belohnen und dann nur noch seltener. Wenn dein Hund ein Lobwort am liebsten hat, brauchst du glücklicherweise auch am Beginn des Trainings nicht viel einpacken 😉

Für ganz herausfordernde Situationen hat man durch die Hitliste dann auch immer einen Jackpot im Ärmel – das kann sehr hilfreich sein 😉

2. Passende Umgebung

Die Umgebung wähle immer so, dass du entspannt und konzentriert arbeiten kannst und dein Hund ebenso. Wenn neue Inhalte trainiert werden sollen, bietet sich ein Platz ohne viel Ablenkung an. Orte mit viel Ablenkung sollten erst dann gewählt werden, wenn das gelernte Verhalten schon gut sitzt.

3. Passender Zeitpunkt

Mit dem Zeitpunkt meine ich unterschiedliche Dinge. Einerseits solltest du entspannt sein. Wenn  du gerade von der Arbeit kommst und noch im Stressmodus bist, solltet ihr vielleicht erst mal nur gemeinsam die Natur genießen.

Andererseits meine ich damit auch Faktoren wie Uhrzeit und Wetter. Zum Beispiel bieten sich im Sommer die frühen Morgenstunden oder späteren Nachmittags- oder Abendstunden an. Es gibt natürlich noch viele weitere Faktoren – wichtig ist, dass es für dich und deinen Hund passend ist.

4. Gute Planung

Es ist immer gut, wenn du dir vorher einen Plan zurecht legst, was du im heutigen Training erreichen möchtest. Dann überlege dir, wie du dieses Ziel erreichen möchtest und was du alles dazu brauchst. Wenn du dich gut vorbereitet hast, kannst du dich im Training besser konzentrieren und bist entspannter.

5. Trainingsende mit Erfolgserlebnis

Bitte beende eine Trainingseinheit immer dann, wenn du und dein Hund eine Aufgabe erfolgreich gelöst habt! Ihr sollt beide den Erfolg und die Freude im Kopf behalten, damit ihr gerne in die nächste Einheit geht. Manchmal kommt es vor, dass das gewünschte Ziel an diesem Tag nicht erreicht wird. Hier gebe ich dir den Tip, nicht ewig weiter zu versuchen und frustriert abzubrechen. Gehe lieber einen Schritt zurück und mache mit deinem Hund etwas, das schon gut sitzt. Das gibt euch beiden ein gutes Gefühl. Und das ist ganz wichtig!

Training darf Spaß machen und immer mit einem Erfolgserlebnis enden

 

Weniger ist mehr!

Dieses Motto soll euch begleiten! Lieber ein paar kurze Einheiten planen, als eine lange. So fällt es leichter, die Konzentration zu halten und die gewünschten Ziele werden eher erreicht.

Nach der Arbeit sollst du ruh‘n

Nach dem Training solltet ihr noch etwas machen, das euch wieder entspannt. Für den Hund bietet sich da Schnüffeln perfekt an! Wenn du im Garten trainierst, kannst du beispielsweise Leckerli in der Wiese verstreuen und deine Fellnase danach suchen lassen.

Und dann – ab in die Federn! Dein 4-beiniger Begleiter muss nach so viel Konzentrationsarbeit schlafen. Am besten davor noch etwas zu Kauen geben. Kauen und Schlaf brauchen Hunde, um Erlebtes und Erlerntes zu verarbeiten und um Stress abzubauen.

Richtige Schlafmützen

Noch eine interessante Information zum Schluss – Hunde benötigen ca. 20 Stunden Schlaf am Tag! Aber dazu und zum Thema Beschäftigung wird es einen eigenen Beitrag geben.

Viel Spaß beim Training!

Wenn du berichten magst, wie du dein Training mit deiner Fellnase gestaltest, freue ich mich natürlich sehr! Im Austausch entstehen immer die besten Ideen!

Tierische Grüße

Natascha

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