4 Achtsamkeitsübungen für Kinder

Was bedeutet Achtsamkeit?

Immer wieder begegnet einem das Wort „Achtsamkeit“. Was bedeutet eigentlich Achtsamkeit? Wenn ich das meine Yogakinder frage, dann antworten sie meistens, dass man vorsichtig ist. Das ist gerade für jüngere Kinder eine erste Erklärung. Älteren Kindern kann man dann schon erklären, dass es bedeutet, dass man hier und jetzt ganz bewusst anwesend ist, ohne dass man sich ablenken lässt, ohne dass man noch an andere Dinge denkt, dass man auch nicht beurteilt, ob das jetzt gut oder schlecht ist.

Am besten gibt man Kindern ein Beispiel dazu: „Wenn du hier in der Kinderyogastunde bist, dann bedeutet Achtsamkeit, dass du nicht nur so nebenbei zuhörst, sondern mit deiner Aufmerksamkeit nur hier in der Yogastunde bist, dass du nicht an den Mathetest vom Vormittag denkst, dass du nicht an die Hausaufgaben denkst, dass du dich nicht von den Geräuschen vor der Tür ablenken lässt. Du spürst bei den Übungen deinen Körper, welche Muskeln spürst du genau? Aber du nimmst das nur für dich wahr, du musst das nicht sagen. Versuch alle Gedanken, wie z.B. der Max macht das aber gar nicht richtig, oder Anna kann das viel besser als ich einfach wieder wegzuschieben. Je öfter wir das üben, desto besser klappt das. Auch die Erwachsenen müssen das üben!“

 

Warum Achtsamkeit für Kinder?

Wir leben in einer schnelllebigen Zeit, die uns und unseren Kindern viel abverlangt. Umso wichtiger ist es, körperlich und geistig wieder zur Ruhe zu finden, um das Leben und den Moment mal wieder bewusst wahrzunehmen. Und nicht immer nur alles „schnell“ zu erledigen. Wie oft sagt man: “Ich bring noch schnell die Kinder in die Schule. Ich geh noch schnell einkaufen. Morgen gehen wir schnell bei Oma vorbei. Kannst du dir das mal schnell anschauen? Ich geh noch schnell eine Runde mit dem Hund….“. Nein, warum sollen wir das immer alles schnell machen?! Ich versuche bewusst immer wieder das Wort „schnell“ aus dem Wortschatz zu streichen – gar nicht so leicht, es ist wirklich fest verankert.

Kinder können sich von Natur aus total in etwas vertiefen und absolut im Moment sein. Sie sind neugierig und können ihre Aufmerksamkeit zu 100% darauf richten, etwas zu lernen und zu verstehen. Aber in unserer heutigen Zeit, gibt es zu viel Ablenkung, der Alltag der Kinder ist von morgens bis abends durchgetaktet – Schule, Mittagessen, Hausübung, Vereinstraining, Musikinstrument üben, Lernen, Abendessen, zu Bett gehen oder das andere Extrem die Kinder sitzen den ganzen Nachmittag vor dem Fernseher und Computer. Es fehlen die Pausen. Die Pausen, um sich selbst zu spüren, wahrzunehmen.

Wenn Kinder Achtsamkeitsübungen trainieren, hilft ihnen das, ruhiger zu werden, sich besser zu konzentrieren, sie werden freundlicher zu sich selbst und anderen, urteilen weniger und stärken ihr Selbstvertrauen.

Vorbild – die Eltern

Wenn unsere Kinder zu uns sagen „Papa, das habe ich jetzt schon fünfmal gesagt“ oder „Mama, hörst du mir überhaupt zu?“ oder „Papa, jetzt schau nicht immer auf das Handy.“ Dann sollten unsere Alarmglocken läuten, denn wir sind nicht im Hier und Jetzt! Als Eltern sollten wir ganz bewusst die Werte Aufmerksamkeit, Geduld, Vertrauen, Akzeptanz und Verständnis vorleben.

Wie kann man nun Achtsamkeit mit Kindern üben?

Hier vier ganz konkrete Übungen, die man zu Hause, in der Schule oder zum Teil auch schon im Kindergarten durchführen kann.

 

Stillsitzen wie ein Frosch

Sehr gute Erfahrungen habe ich mit dieser Übung gemacht. Sie lässt sich ab Kindergartenalter einsetzen und ist auch für zu Hause geeignet.

Die Zeit kann je nach Alter oder Erfahrung variiert bzw. verlängert werden.

Wir setzen uns ganz bequem im Kreis hin (oder zu Hause gegenüber) und schließen die Augen. Vorher besprechen wir, wie lang wir heute die Übung machen. Bei der Frage, ob eine Minute lang oder kurz ist, antworten die meisten Kinder kurz. Also können wir ja mal kurz für eine Minute die Augen schließen und lauschen, was wir hören, welche Geräusche nehmen wir wahr, hören wir Schritte auf dem Gang, tickt eine Uhr, hören wir Autos oder ein Husten….?

Nach der Stillephase dürfen die Kinder der Reihe nach erzählen, ob und was sie gehört haben.

Eine Meditation mit Konzentration nur auf den Atem und alle Gedanken, die kommen wieder beiseiteschieben, ist für die Kinder sehr schwierig. Aber für eine vorher abgemachte Zeit innezuhalten und sich auf die Geräusche im Außen zu konzentrieren funktioniert schon sehr gut. Und da die Kinder sehr ehrgeizig sind, kann man die Länge der Stillephase immer wieder steigern „Meint ihr, ihr schafft heute 3 Minuten?“

 

Schatzkiste mit Komplimenten

Eine besonders schöne Übung ist die Schatzkiste mit Komplimenten. Diese Übung eignet sich gut ab der 2. Klasse Volksschule. Es werden so viele Zettelchen, wie es Kinder sind, vorbereitet und jeweils ein Name darauf geschrieben. Die Kinder ziehen aus der Schatzkiste einen Zettel und schreiben nun für das Kind, dessen Name auf dem Zettel steht, ein Kompliment drauf. Der Zettel wird zusammengefaltet, so dass der Name außen draufsteht und wieder in die Schatzkiste zurückgelegt. Nun verteilt der/die LehrerIn die Zettel mit den Komplimenten an die jeweiligen Kinder.

Zur Vorbereitung ist es eventuell hilfreich, wenn man allgemein über Komplimente spricht. Was ist ein Kompliment? Hörst du das gerne? Und auch verschiedene Beispiele für Komplimente sammelt.

Mir gefällt diese Variante besonders, weil die Kinder das Kompliment „geheim“ geben können, gerade im Volksschulalter kann es den Kindern sonst unangenehm oder peinlich sein laut vor allen anderen jemandem ein Kompliment zu machen.

Da Kinder ja grundsätzlich sehr ehrlich sind, ist dann auch schon mal das Kompliment gekommen „Du kannst gut streiten.“

 

Steinmeditation

Diese Übung kann auch bereits ab dem Kindergartenalter gemacht werden. Entweder zuerst mit den Kindern gemeinsam Steine sammeln oder man bringt Steine in die Gruppe/Klasse mit. Je älter die Kinder sind, desto ähnlicher dürfen die Steine sein.

Dann darf sich jedes Kind aus einem Sackerl einen Stein ziehen. Nun werden die Kinder aufgefordert, sich den Stein ganz genau anzusehen und zu betasten, welche Farben hat er, hat er ein besonderes Merkmal, wie fühlt er sich an, ist er glatt oder rauh, ist er kantig oder rund? Die Kinder auch auffordern mal die Augen zu schließen und den Stein nur mit den Händen zu fühlen.

Diese Phase der Betrachtung kann je nach Alter der Kinder zwischen 1 und 5 Minuten dauern. Ich mache dazu gerne leise Meditationsmusik an. Und natürlich wird den Kindern vorher erklärt, dass in den nächsten Minuten jeder für sich seinen Stein ganz genau anschaut und wir nicht miteinander quatschen.

Nach dieser Stillephase legen alle Kinder ihren Stein in die Mitte und die Steine werden etwas „durchgemischt“. Dann darf jedes Kind versuchen „seinen“ Stein unter allen anderen wiederzufinden. Aber natürlich nicht alle Kinder auf einmal – wir üben Geduld. Alle Kinder setzen sich ruhig, gerade und konzentriert in den Kreis und ich blinzle immer dem Kind zu, das dann seinen Stein suchen darf.

 

Einfach Danke sagen

Genauso wie Erwachsenen die Übung empfohlen wird, sich morgens oder abends für 3 Dinge an diesem Tag zu bedanken, um sich der positiven Dinge im Leben bewusst zu werden, genauso wichtig finde ich es, dies schon mit den Kindern zu üben.

Ich habe in einer 3. Klasse Volksschule gefragt, für was sich die Kinder heute bedanken wollen. Es kamen wunderschöne Antworten:

Danke für meine Geschwister. Danke, dass meine Mama mir Frühstück gemacht hat. Danke für meine Freunde. Danke für meine Eltern. uvm.

Ich finde es sehr wichtig, dass den Kindern auch wieder bewusst wird, dass nicht alles selbstverständlich ist und dass es ihnen sehr gut geht.

Ein schönes Ritual zu Hause am Abend kann sein, dass das Kind sich für etwas an diesem Tag bedankt oder ich frage meine Tochter im Bett immer nochmal „Was war das Schönste heute am Tag?“

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